Aus der Sterbegleitung - Eindrücke von Mila

Wir, die ehrenamtlichen Sterbebegleiter von der Stephanus Stiftung, besichtigten das Hennigsdorfer Krematorium.

Die Führung dauerte ca. 2,5 Stunden mit dem Inhaber Heinz Schröder.


In der Vergangenheit diente der Inhaber dem Kapitalismus. Aufgrund dessen verspürte er einen inneren Widerstand, steigernde Wut und Unzufriedenheit. Dieser Widerstand ließ ihn entscheiden, etwas Sinnvolles für die Mitmenschen zu kreieren. Also baute er selbst das Krematorium. Eine moderne Architektur und ein sehr gepflegtes Ambiente bieten einen ruhigen und harmonischen und vor allem einen würdevollen Raum des Abschieds.


Seit 2005 können hier Angehörige in aller Stille Abschied von ihren Liebsten nehmen. Trauernde wollen den letzten Weg eines Angehörigen oder eines Freundes bis zum Schluss in guter Erinnerung behalten. Trauer wird maßgeblich davon beeinflusst, welche Erinnerungen bleiben. Die Trauerfeiern werden nach den Vorstellungen seiner Kunden gestaltet. Da Berlin ein multikultureller Ort ist, finden dort verschiedenste Kulturen aufeinander. Die Trauerfeiern der Inder und der Chinesen beeindrucken ihn sehr.


Laut Schröder werden pro Tag zwischen 30 und 40 Körper verbrannt. Und pro Monat zwischen 600 und 800. Die meisten Körper werden aus Berlin und der Umgebung eingeliefert. In seinem Krematorium befinden sich 2 Einäscherungsanlagen. Die Brennkammer wird auf rund 850 Grad erhitzt, wenn ein Sarg einfährt. Der komplette Verbrennungsprozess eines Verstorbenen variiert zwischen 2,5 und 3 Stunden. Da kommt es auf die Knochen des Individuums an. Die Asche wiegt zwischen 4 und 4,5 Kilo, egal wie groß, klein, dick oder dünn der Mensch gewesen ist. Am Ende des Prozesses ist nur die Knochenstruktur übrig.


Bei der Frage, ob es mal vorgekommen war, dass die Asche aus Versehen vertauscht wurde, sagte er uns, dass dies niemals vorkommen könne, da es für jede Urne eine einmalige Nummer gebe, die vergeben wird anhand eines Schamottesteins. Den Schamottestein gebe es nur einmal, damit man wisse, welcher Sterbefall das ist. Das sei der Schlüssel zur Datenbank. D.h. man wisse genau, wer der Verstorbene ist, wann er geboren und verstorben ist. Falls die Urne mal vergangen und die Asche weg ist, wisse man noch immer, wer wo beigesetzt worden ist. Das sei eine ganz wichtige Angelegenheit.


Das Erstaunliche dabei war, dass in einem Behälter die Knochenasche dunkel und schwarz, während die Knochenasche in einem anderen Behälter hell und weiß war. Herr Schröder sagte uns, das sei normal und jede Menschenasche sähe anders aus. Wenn alle Fremdkörper und Metalle entfernt sind, werden die Überreste in einer Mühle zerkleinert. Die Urne wird mit der anorganischen Asche befüllt und ist bereit für die Beisetzung.


Herr Schröder empfindet es als sehr wichtig gut informiert zu sein, was am Ende des Lebens mit seinem Körper passiert. Außerdem ist es gut zu erfahren, dass ein Krematorium nicht so schlimm ist, wie man sich das eventuell vorstellen mag.


Eure Mila

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